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Martina Lorenz

Fachärztin für Neurologie & Psychiatrie
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Simeonsplatz 17
32423 Minden

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Wann ist eine Borreliose eine Neuroborreliose?
Die Borreliose und ihre neuro-psychiatrischen Symptome

Von Martina Lorenz

Die Borreliose Erkrankung und ihre neurologischen und psychiatrischen Symptome bedürfen zur Abklärung einer kritischen Fragestellung: Welches sind neurologisch-psychiatrische Symptome im Rahmen einer chronischen Borreliose Erkrankung und wann ist eine Borreliose eine Neuroborreliose.

Symptome bei Befall  des peripheren Nervensystems und das  Liquor-Problem:

Als Beispiel einer akuten Infektion des peripheren Nervensystems ist die Radikulitis zu nennen.
Nach Stich der Zecke z.B. im Bereich des Oberschenkels oder der Glutäen in der Nähe des Nervus ischiadicus breitet sich der Erreger zunächst über die Haut aus, dann über die Blutbahn in den Bereich der peripheren Nerven. Hier kommt es zu einer Symptomatik, die dem eines Nervenwurzelreizsyndroms wie etwa bei einem Bandscheibenvorfall entspricht. Es handelt sich um ausstrahlende Schmerzen, die von der Lendenwirbelsäule über die Glutäen bis in das Bein beschrieben werden. Definitionsgemäß hätten wir es hier also mit einer Radikulitis eines peripheren Nerven zu tun. Häufig zeigt eine jetzt durchgeführte Lumbalpunktion keine Erhöhung von Zellzahl, Eiweiß oder gar positive Borrelien – dennoch zeigt die Klinik einen Befall eines peripheren Nerven an, laut den derzeitig geltenden Leitlinien handelt es sich aber nicht um eine Neuroborreliose.

Auch bei einem der häufigsten Symptome einer Neuroborreliose, der so genannten peripheren Facialis Parese (Gesichtsmuskellähmung) ist der Nachweis von Borreliose spezifischen Antikörpern im Liquor nur sehr selten  zu führen. Dennoch muss bei einem zuvor erlittenen Zeckenstich die Möglichkeit einer vorliegenden Borreliose zwingend geprüft werden und eine entsprechende Therapie mit einem zentral wirkenden Antibiotikum wie Ceftriaxon erfolgen.

Weitere Erkrankungen des peripheren Nervensystems im Rahmen einer Borreliose sind die Polyneuritis, die Polyradikulitis und die Polyneuropathie.
Pat. Im Rahmen einer chronischen Lyme-Borreliose klagen häufig über polyneuropathische Symptome.  Die Nervenleitgeschwindigkeiten (NLG) sind nicht selten unauffällig, ebenso finden sich im Liquor meist weder Entzündungszeichen, noch spezielle Borrelien-AK.
In vielen Fällen kann jedoch ein deutlicher Rückgang der Beschwerden unter einer antibiotischen Therapie beobachtet werden.
Auch tritt im Rahmen der chronischen Lyme-Borreliose gehäuft ein Karpaltunnelsyndrom auf, auffällig ist die oft beiderseitige Manifestation, wie auch bei anderen rheumatischen Erkrankungen zu beobachten. Hier ist die NLG in typischer Weise verändert, Antibiotikagabe zurück.

Bei vorliegender Zeckenstichanamnese und anderen Borreliose typischen Symptomen sollte in derartigen Fällen zwingend eine aktive Borreliose ausgeschlossen werden.

Oft sind zwar positive Infektionszeichen im Serum zu finden, jedoch sind kaum positive Liquorbefunde zu erwarten; dennoch müsste eigentlich  die Diagnose einer Neuroborreliose gestellt werden.
Im Falle von beiderseitig auftretenden Karpaltunnel Syndromen oder/und Sulcus ulnaris Syndromen ist immer an eine generalisierte Erkrankung wie Diabetes mellitus, rheumatische Erkrankungen, an Intoxikationen wie beim chronischen Alkoholismus oder an eine chronische Infektionserkrankung wie die einer chronischen Borreliose zu denken.
Auch das vegetative Nervensystem ist im Falle einer erfolgten Borreliose Infektion häufig befallen:
Dabei kommt es zu wiederkehrender Erhöhung oder Erniedrigung der Pulsfrequenz, vermehrtes Schwitzen, Veränderung der Hauttemperatur, der Muskelspannung, Schwankungen der Blutdruckwerte sowie periphere vegetative Störungen und entstehende Durchblutungsstörungen wie die Raynaud-Symptomatik.

Bei der Enzephalitis, Meningitis oder Myelitis ist das zentrale Nervensystem direkt betroffen.
Es kann Gangstörungen beinhalten, Halbseitenstörungen, Sprachstörungen, Blasenentleerungsstörungen oder das Auftreten einer Epilepsie.
Im Rahmen der chronischen Borreliose sind weiterhin Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Störungen der Feinmotorik chronische Müdigkeitssyndrome, sowie Kopfschmerzen  vorhanden.

 
Psychiatrische Symptome bei der chronischen Borreliose:

Eine große Anzahl von Patienten mit einer chronischen Lyme- Borreliose weisen psychiatrische Symptome auf.
Auftretende Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen, ausgesprochene Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Antriebs-mangel, vermehrte Reizbarkeit, Wesensveränderungen, Halluzinationen, Ängste, Panikattacken, Konzentrationsstörungen bis hin zur Vergesslichkeit, auch Orientierungsstörungen, Wortfindungs- oder Sprechstörungen werden immer wieder gesehen. Denkschwierigkeiten, Schreibhemmungen oder aber auch das Verdrehen und Weglassen von Buchstaben beim Schreiben werden beobachtet. Nicht selten haben die Betroffenen Angst, an einer Demenz erkrankt zu sein. Auch hört man bei Patienten oft, dass sie gegen Türrahmen laufen, Ecken anstoßen, weil diese nicht adäquat wahrgenommen werden. Nahezu alle Patienten berichten von einer Art Nebel im Kopf, dem sogenannten „Brainfog“

Das Problem ist es, den Nachweis zu erbringen, dass die Symptomatik in Zusammenhang mit einer chronischen Borreliose Erkrankung steht. Im chronischen Stadium eben lassen sich im Nervenwasser nur sehr selten Borreliose-AK finden. Nach dem derzeitigen Stand der Medizintechnik ist es im Spätstadium einer Lyme-Borreliose nicht möglich zu beweisen, dass der Erreger im Organismus für die Beschwerden verantwortlich ist, aber eben auch nicht, dass die Borrelien durch die erfolgten Therapien ausgerottet worden sind.

Amerikanische Studien (Bransfield) deuten darauf hin, dass wir es mit einem chronischen Inflammationsprozess zu tun haben. Zytokine wie IL 1und 6, sowie TNF – alpha führen zur Neurodegeneration. Dieser Inflammationsprozess muss nicht zwingend direkt im ZNS ablaufen. Die Lipoproteine auf der Zellmembran von Borrelien können direkt ins ZNS wandern. (Robert Bransfield).

Die Schwierigkeit in der neurologisch-psychiatrischen Praxis

Patienten mit einer chronisch persistierenden Borreliose tragen die beschriebenen Krankheitssymptome in großer Vielfalt vor. Die geschilderten Beschwerden sind so typisch dennoch nicht bei jedem Betroffenen gleich. Auch ist ein wechselhafter Verlauf typisch.
Die geklagten Beschwerden können leicht fehl gedeutet und  eine Somatisierungsstörung und auch eine rein depressive Symptomatik diagnostiziert werden. Letztere kann sich zwar im Rahmen einer bestehenden chronischen Borreliose entwickeln, die von dem Betroffenen geschilderte Symptomatik ist jedoch sehr viel umfassender.

Und dieses stellt den Arzt vor eine schwierige Situation: Hält er sich an die wissenschaftlichen Leitlinien, dann muss diesen Patienten der Zusammenhang zwischen seinen Symptomen und der bestehenden Borreliose häufig abgesprochen werden.
Denn falls es nicht gelingt, den Nachweis von Antikörpern im Liquor, eine Schrankenstörung oder eine Erhöhung der Zellzahl nachzuweisen, so liegt nach den wissenschaftlichen Leitlinien  keine Neuroborreliose vor. Hat der Patient zudem den erfolgten Zeckenstich nicht bemerkt, fehlt dieser in der Anamnese, wird somit  die Kausalität abgesprochen.

Als behandelnde Ärztin muss ich mich also entscheiden, ob ich leitliniengerecht behandeln möchte oder ob ich den Patienten mit seinen Beschwerden ernst nehmen will und versuchen möchte, ihm zu helfen.

Hier ergeben sich nun mehrere Möglichkeiten. Einmal kann bei dem Patienten tatsächlich keine Borreliose vorliegen und seine Beschwerden anderweitig herrühren. Dann ist es meine Aufgabe, diesen Menschen zu den entsprechenden Kollegen zu überweisen.
Es ist aber genauso gut möglich, dass die Borrelien vorhanden und für die Symptomatik verantwortlich sind, sich in den für das Immunsystem schwer erreichbaren Nischen verstecken und das Immunsystem keine Chance auf eine Reaktion hat.
(AK-Titer, Western-Blod, LTT negativ).

Es ist auch möglich, dass das Immunsystem auf Grund der persistierenden Entzündung inzwischen  geschwächt ist (z.B Abfall der CD57-Zellen), dass es aus diesem Grund nicht oder ungenügend reagiert. Darüber hinaus ist inzwischen bekannt, dass das Immunsystem durch Veränderung der Oberflächenantigene der Borrelien oder der Bildung von Zysten und der Ausbildung von Biofilmen umgangen wird und somit keine Immunreaktion hervorruft.

Zitat: „Hinsichtlich der Fähigkeit, sich der lytischen Wirkung des Komplements (wichtiger Bestandteil des angeborenen Immunsystems) zu entziehen, konnten die Borrelien in 3 Gruppen eingeteilt werden. Komplement resistente Borrelien expremieren auf ihrer Oberfläche sogenannte CRASP-Moleküle, mit deren Hilfe  die Regulatorproteine  Faktor H und FHL1, der Komplementaktivierung gebunden werden können. Dadurch sind Borrelien in der Lage ihre Abtötung zu verhindern“ Prof Dr. Wallich, Immunologie, Uni Heidelberg

Ebenfalls ist möglich, dass der Patient eine so genannte Co-Infektion erlitten hat und somit  andere Erreger für die Symptomatik verantwortlich sind.

 Differenzialdiagnose: Somatoforme Schmerzstörungen

Bei einer somatoformen Schmerzstörung zum Beispiel handelt es sich um die Störung eines Organs, die nicht durch das Organ selbst sondern durch seelische Ursachen bedingt ist. Die Erkrankung tritt meist plötzlich auf. Auslöser können ein  Unfall,  eine schwere Operation oder andere traumatische Erlebnisse wie Missbrauch, Gewaltanwendung oder Vernachlässigung sein. Typisch ist, dass der Betroffene sich voll auf seinen Schmerz konzentriert, dass der Schmerz als bedrohlich erlebt wird. Der Schmerz ist meist streng lokalisiert und andauernd.
Die im Rahmen einer chronischen Infektionserkrankung bestehenden Schmerzen treten zunächst nur an einzelnen Körperregionen auf, sie wandern, sind intermittierend, um dann langsam in einen chronischen und generalisierten Schmerz über zu gehen.

Für eine organische Ursache bei chronischen Schmerzen sprechen bei der Borreliose zum Beispiel
* Ein Zeckenstich in der Vorgeschichte
* Muskulo-skelettale Symptome
* Gelenkschmerzen
* Hautsymptome wie Akrodermatitis
* Wortfindungsstörungen
* neurologische Symptome
* Schubweises Auftreten der Schmerzen mit  wechselnden Lokalisationen

Mögliche Entstehungsursachen von psychiatrischen Symptomen im Rahmen der Borreliose

1. Vaskulär
Durch Entzündungen in großen und kleinen Blutgefäßen kann es zu   Durchblutungsstörungen kommen. Diese können sich vereinzelt in SPECT- Untersuchung nachweisen lassen. 
Durch Gefäßspasmen kann es zu gehäuften Migräneanfällen kommen.

2. Schädigung durch Neurotoxine

3.Schädigung durch Entzündungsherde selbst. Fallon beschreibt in durchgeführten SPECT- Untersuchungen heterogene Muster verminderter Perfusionen durch Entzündungsherde und Durchblutungsstörungen. Im Rahmen von peripheren Entzündungen wird u.a. IL ß  Stimuliert. Die Substanz wieder rum stimuliert den N. symphaticus. In der Folge wird L ß im ZNS aktiviert, es folgt die Ausschüttung von COX und anderen Entzündungs = Mediatoren. Im Gehirn werden zahlreiche und diffuse Rezeptoren für IL, IFG, TNF etc. Beschrieben.

4. Oxidativer Stress entsteht u.a. durch eine ständige und /oder wiederholte Immun  
Dieses führt zu einer vermehrten Bildung von Stickoxiden, in deren Folge
kommt es zu einer Aktivierung der Glutamatrezeptoren, einer Vasodillatation und einer Abnahme der ATP-Bildung in der Zelle. Es folgt die zelluläre Hypoxie oder gar der Zelltod. Symptome wie CFS oder FMS sind führend. Auch werden die so genannten Neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Alzheimer Demenz oder Die ALS hiermit in Verbindung gebracht.

5. Durch chronische Schmerzen kann es zu einer reaktiven Depression kommen.
Depressionen können auch reaktiv entstehen durch soziale Probleme wie Partnerverlust, Arbeitsverlust oder frühzeitiger Berentung.

 6. Hormonelle Störungen wie z.B. durch Mangel an Botenstoff Serotonin.
(siehe auch Beitrag von Frau Dr. Petra Hopf-Seidel)

Die Senkung des Serotonin-Spiegels kann zu fatalen Entwicklungen wie depressiven und psychiatrischen Symptomen führen, darüber hinaus zu einer Schwächung der Immunabwehr, zu verstärkter Allergieneigung, zu Wundheilungsstörungen, Tonusstörungen, Störung der Essregulation wie einem verstärkten Verlangen nach Süßem. Coronarspasmen können ausgelöst werden sowie eine Störung der Sexualfunktion.

Es ist zwar interessant aber auch erschreckend, wie Borrelien den gesamten Organismus durcheinander bringen können und wie vielfältig und komplex das Krankheitsbild sein kann.

Auf Grund dessen kann die Behandlung der chronischen Borreliose nur eine Ganzheitliche sein.  Hierzu zählen nicht nur die Antibiotika Therapien, sondern auch die Stärkung des Immunsystems, der Stressabbau, das moderate körperliche Training, wenn nötig gezielte Krankengymnastik, die Entgiftung und Ausleitung der Toxine und Schadstoffen, sofern vorhanden, die Umstellung der Ernährung zu basenreicher Kost und eine konsequente Entsäuerung des Körpers.  Unter Umständen kann  auch eine ambulante oder stationäre Psychotherapie mit schmerzlindernden therapeutischen Ansätzen helfen.

Was uns in Deutschland fehlt sind weitere Studien, vermehrte statistische Erfassungen der Patientendaten und eine Meldepflicht der Erkrankung.
Für die Patienten wäre damit zwar noch keine Heilung erreicht, doch wenigstens würden sie von dem Stigma befreit, rein psychosomatisch krank zu sein.

Martina Lorenz, FÄ Neurologie / Psychiatrie, Orthomolekularmedizin

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